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Dachschaden, Teil 1

Zwiegespräch mit mir selbst.

Frei nach Kishon kann ich das auch führen ohne der Meinung zu sein, ich hätte den gleichnamigen Dachschaden in welchem Sinne auch immer. Die beiden Darsteller nenne ich mal First (F) und Walm (W).

Vorwissen: Herr Walm und Herr First haben zwei Dinge gemein: sie sind Rentner und Nachbarn, wobei First eine vorgefapte Meinung zu Herr Walm hat, der Umgangston der beiden ist unterhalb jeder feinen englischen Art. Walm ist eher der Intellektuelle, First mehr ein "Normalo". Sie kennen sich auch so gut wie kaum, obwohl sie schon seit Jahrzehnten faktisch Tür an Tür leben und von Zeit zu Zeit miteinander plauschen (auf ihrer ganz besondere Art).
Situation:
Walm und First treffen sich vor Walms Haus und halten einen Plausch am Gartenzaun.

F: Aye Walm, du hast nen Dachschaden!
W: Wie bitte?
F: Na nen Schaden im Dach.
W: Nee, bei mir ist noch alles koscher.
F: Ja scho klar, du haust ja nur Paterre.
W: Woher willst'n du des wissen, hä?
F: Reine Beobachtung.
W: Welche?
F: Die gleiche wie mit deinem Loch im Dach.
W: Spionierst mich vielleicht aus du Gaffer!?
F: Net gut geschlafen, was?
W: Ich verrat dir was...

W geht ein Stückchen auf F zu

W: ... ich hab geschlafen wie ein Baby.
F: Sag ich doch.
W: Was?
F: Naja, du pennst unten in dei'm Souterrain-Kabuff...

W tut noch ne Schritt nach vorne

W: Mach mal nen Punkt!
F: Ich hab noch nicht mal ein Komma gesetzt.
W: Was willste überhaupt von mir?
F: Dich nur hinweisen, dass du nen Dachschaden hast, reine Nachbarschaftliebe.
W: Auf deine 'Nachbarschaftsliebe' kann ich gut und gerne verzichten du Bungaloogist.

[F lebt in einem Bungaloo-artigen Haus]

F: Meine Residenz hat a) nen Keller und b) keinen Dachschaden.
W: Geht's um Häuser jetzt, oder was? Für mich ist dein 'Haus' so ein architektonischer Murksbau aus der Vorkriegszeit. Net mehr, net weniger.
F: Zumindest hab ich keinen Dachschaden.
W: Na da wär ich mir mal nich' so sicher.
F: Ich werd eh niemals nur einen einzigen Schritt in dein ausgekühltes Steingemäurchen setzen.

[W lebt in einem 2stöckigen Haus mit Dachboden und Keller]

W: Bist ja nur neidisch du Kleingärtner.
F: Qualität vor Quantität.

[F hat einen "englischen Rassen" - W eine "Gartenwildnis", wie F immer zu sagen pflegt]

W: Scheinbar bist heut noch nicht auf den Kopf gefallen, du Einfaltspinsel du.
F: Das ist ein Widerspruch in sich, du Lakai.

W grummelt
F: Echauffier dich net, wollt dich lediglich auf deinen Schaden da oben hinweisen.
W: Du hast sie nicht mehr alle. Bei mir ist noch alles knusper. 1 und 1 kann ich immer noch genauso schnell zusammen zählen wie 2080 x 530.
F: Was?
W: Ja, setzt's aus bei dir jetzt, oder was? Soll ich mal auf Stroh klopfen, Geistesblitz?
F: Mach lieber was vernünftiges und stopf dein Leck da oben.
W: Du kapierst gar nix, oder?
F: Ich glaub du eher nicht. Geh doch mal nach hinten kucken, da wirste sehen, was ich meine.

F meint damit um das Haus herum gehen und auf die Rückseite schauen

W: Was du meinst über mich ist mir völlig gleich.
F: War nur ein gut gemeinter Tipp von Nachbar zu Nachbar.
W: Mein Sehzentrum ist noch bestens, du Brillenschlange du.
F: Was hat'n das damit zu tun?
W: Muss ich dir jetzt allen Ernstes erklären wie das einfallende Licht in elektrische Impulse umgewandelt wird und durch Neuronen zu einem winzigen Teil nach hinten zum Sehzentrum geleitet wird, damit du denkst du siehst was, was eigentlich nicht da ist?
F: Klugscheißer! Ich hab das gesehen, was real ist.
W: Meinst du?
F: Ja meine ich.
W: Das was du siehst ist nicht die Wirklichkeit. Alles nur gedacht.
F: Für mich sah das sehr real aus.
W: 'Sieht'!
F: Wie meinen?
W: Es muss heißen: 'Für mich sieht das real aus'. Wenn du denkst es 'sah', dann riecht das für mich nach beginnender Demenz.
F: Ich kann dir nicht folgen. Hab jetzt aber auch keine Lust mich länger mit dir zu streiten.
W: Da hab ich was verpaßt.
F: Ja, und wenn du noch länger damit wartest das in Ordnung zu bringen, dann wirds dir naß reingehen.

[Das Gespräch fand im Spätsommer statt, und F erwartet offensichtlich Regen].

W: Mir mit Sicherheit nicht, ich bin hoch auf dem Gipfel der geistig Erleuchteten, du allerdings bist schon fast im Tal. Wärst mal ein bisserl fleißiger gewesen im Lauf deiner Trauerjahre auf Erden.
F: Ich wiederhole mich ungern, aber du lebst in Paterre, du Erleuchteter.
W: Bei dir ist Hopfen und Malz verloren.
F: Gutes Stichwort. Ich geh jetzt mal heim und hau mich bei einem kühlen Blonden vor die Klotze.
W: Du arbeitest stetig darauf hin, nicht wahr?
F: Arbeiten solltest du mal, und zwar besser früher als zu spät - so lang' das Wetter sich noch hält.
W: Guter Schlussgedanke werter Nachbar.

W macht eine Schwenkbewegung mit seiner Hand über seinen 'Gartenwildnis'.

W: Die Tage werden kürzer, und deine kann ich jetzt schon zählen.
F: Dann bin ich ja beruhigt. Ich werd dich an deinen Dachschaden erinnern.
W: Werd nicht frech!
F: Du wirst es mir danken, so wie ich dich kenne, hast du es vergessen noch bevor ich an meiner Haustür bin.
W: So viele Momenten wird es für dich nicht mehr geben. Jeder Weg zu deinem 'Heim' könnt der letzte sein.
F: Zumindest hab ich's trocken, und daran wird sich nix ändern, auch wenns Herbst wird.
W: Du bist eher schon im Winter deines Lebens. Genieß den letzten Schnee.
F: Paß du lieber auf den ersten Regen auf.
W: Schwing die Kufe, ich schwing den Rechen.

W dreht sich um und greift nach einem Gartenhacke, die an seiner Laube gelehnt ist.

F: Denk an meine Worte, laß dir professionell helfen, alleine schaffste das nicht.
W: Las das mal meine Sorge sein.
F: Ich werd dich dran erinnern.

F dreht sich ebenfalls um und begibt sich auf seinen Heimweg.

W: Tu das und genieß dein Hopfengebräu inklusive geistiger Benebelung.

F schwenkt mit den Rücken zu W nur die linke Hand und geht nach Hause. W winkt ab und macht sich daran das erste Laub zusammen zu kehren.


 
- to be continue -
(wie man so schön sagt)